Weineinkauf im Supermarkt - Finger weg?
"Supermarkt" oder "Handelskette" ist kein Synonym für einen Qualitätsstandard, sondern ist einfach ein bestimmter Vertriebskanal.
Theoretisch könnte man Weine jeder Qualität und jedes Preisniveaus über Supermärkte vertreiben. Es liegt aber im Wesen großer Handelsketten, dass sie in großen Mengen und zu Kampfpreisen einkaufen (müssen) - und diese Tatsache limitiert sowohl ihre Auswahl als auch die Qualität des Angebots fast automatisch, denn gute Erzeuger sind darauf angewiesen, für ihre qualitativ hochwertigen Weine adäquate Preise verlangen zu können.
Dazu kommt, dass Wein in Supermärkten ein Angebot unter vielen ist und dementsprechend behandelt wird.
Die Weine werden häufig stehend (!) in Regale geräumt, wo sie ungeschützt dem Licht (!), der Temperatur (!), dem Geruch (Käsetresen, Fleischtheke !) und einem unkontrollierten Alterungsprozess ausgesetzt sind, bis sich eines Tages ein vertrauensseliger Weinkäufer ihrer erbarmt. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass dieser einen mittlerweile ziemlich angeknacksten Wein in seinen Einkaufswagen legt und zur Kasse schiebt. Und das relativiert den günstigen Preis doch erheblich.
Das Sortiment in Supermärkten ist auf billige Massenware konzentriert - darunter kann wohlschmeckender Wein sein, den müssen Sie aber finden. Das Allerwichtigste für den Weinkauf fehlt im Supermarkt: kompetente Beratung. Ein Angestellter im Supermarkt kann nicht das über Wein wissen, was er wissen müsste, um Kunden entsprechend ihrer Vorlieben und Bedürfnisse zu beraten - man ist also als Weinkäufer im Supermarkt auf sich allein gestellt.
Ausnahmen gibt es immer
Das heißt nicht, dass Sie in Supermärkten grundsätzlich keinen guten Wein kaufen können. Mißtrauisch sein sollten Sie grundsätzlich bei Angeboten, deren Verkaufspreis ganz offensichtlich nicht die Herstellungskosten decken kann - geschweige denn irgendeinen Ertrag für den Erzeuger abwerfern. Die Qualität eines Weins, der für unter 2 Euro angeboten wird, kann nicht stimmen. Den mag man trinken können, aber weder im Anbau noch in der Weinerzeugung können hier strenge Qualitätsrichtlinien befolgt werden sein. Und abgesehen davon, dass Ihnen ein solcher Wein kaum guttun kann, schadet man mit dem Kauf solcher Massenware den Winzern, die sich um Top-Qualität bemühen.
In der letzten Zeit haben einige Qualitätswinzer Vorstöße gestartet, gute und trotzdem preisgünstige Wein in Supermärkten zu vermarkten - und haben dafür nicht nur Lob geerntet. Natürlich ist "Wein aus dem Supermarkt" nicht gerade ein imageträchtiges Label. Trotzdem profitieren von Angeboten wie z.B. der "Edition Fritz Keller" Winzer wie Verbraucher. Ein Zusammenschluß von Winzern liefert Trauben, die unter strengen Qualitätsvorschriften angebaut wurden, an eine Winzergenossenschaft, die den Wein keltert. Den hohen Qualitätsmaßstab läßt sich die Winzergenossenschaft etwas kosten und unterstützt damit die liefernden Winzer.
Gleichzeitig profitieren die Verbraucher, die im Supermarkt einen Wein kaufen können, dessen Qualität sie vertrauen können und der preislich trotzdem noch attraktiv ist. Eine mittelfristige Wirkung erhofft man sich natürlich auch, denn wer sich bisher nicht in den speziellen Weinhandel getraut hat, kann so Erfahrungen mit Qualität machen und entdeckt leichter seine Liebe zum Wein.
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