Rar und edel - eine ganz besondere Weinprobe
1. Raritätenprobe bei WeinArt

Den Auftakt zum Weinjahr 2011 bei WeinArt in Steinbach am Attersee machte eine hochkarätig angelegte Raritätenprobe mit super Weinen aus Bordeaux und Burgund. Wieder einmal hatte ein kleiner, geladener Gästekreis die Möglichkeit, Rolls Royce und Bentleys aus der französischen Weinwelt zu probieren. Das kulinarische Motto: "Alles Trüffel oder was?" hätte nicht treffender gewählt werden können und wurde von der weißen Brigade in der Küche ausgezeichnet interpretiert.
Zu Beginn:
Kalbskopf Cromesquis mit Trüffelremoulade, Wildkräutersalat
Mit der in letzter Zeit ins Abseits geratenen Champagner-Marke Lanson traute sich der Hausherr Carlo Wolf den Frühling zu begrüßen. Ein 1979er aus der Magnumflasche, der sich immer noch sehr lebendig präsentierte. Viel Toast, Brioche und geröstete Haselnüsse im Duft. Reichlich, groß angelegtes Mousseux, welches dem 30jährigen Champagner nach so langer Reifezeit Frische verleiht. Ich schätzte spontan auf 15 Jahre jünger! Große Überraschung.
1. Flight:
Getrüffeltes Schaumbrot von der Frühjahrsschnepfe, Frühlingszwiebeln süß-sauer
Chateau d'Yquem 1987 - 1989 - 1990
Vom 87er habe ich keine große Überraschung erwartet. Ein ordentlicher Süßwein mit breiter Charakteristik, satter Säure, Butterscotch, Mandeln geröstet, rauchig, leichte Bitternoten im Abgang. Es ist an der Zeit, die letzten Flaschen von diesem brav ausgestatteten Süßwein zu trinken.
Für das jugendliche Duo 1989 und 1990 beginnt erst jetzt die Zeit des goldenen Oktobers. Strahlend jung und lebendig. Körperreich, viskos, likorös. Beide Jahre ganz oben auf der Qualitätsskala mit einem Potential zur Reifezeit, das ich beim ersten Wein auf mindestens 50 Jahre, beim 2. durchaus auch auf 100 Jahre schätze. Ein Zwillingspaar, dessen große Duft- und Geschmacksvielfalt sich erst nach vielen Jahren zeigen wird.
2. Flight:
Robespierre von der Jakobsmuschel, Portulak & Trüffel - Vinaigrette
1983 Corton Charlemagne, Domaine Louis Latour;
1993 Montrachet, Domaine Ramonet; Magnum
1993 Batard-Montracht, Domaine Ramonet
Burgund und seine besten Weißweinlagen sind eigentlich immer ein Highlight! Dennoch ein insgesamt schwacher Flight aus weniger berühmten Jahren. Der Corton von Latour zeigte sich noch mit lebendigen Nuancen von gereiftem Apfel, Zitrusfrüchten und Krokantkrusten. Zartbitter mit spannendem Abgang. Zu den beiden Montrachets notierte ich: Oxydativ, wenig balanciert, insgesamt keine Spaßvögel.
3. Flight:
Die ersten Frülingsgemüse aus der Provence, Oliven-Trüffelmousseline
1949 Château Talbot, Château La Tour Haut-Brion, Château Nenin
Bei einem so reifen Jahrgang setzt jede Kritik beste Lagerung voraus. Sollte diese nicht gewährleistet werden können: Hände weg! 1949 war ein heißes, sonnenreiches Jahr, wohl der wärmste Jahrgang in diesem Jahrzehnt, der gerne mit 1990 verglichen wird. Auf den Märkten zählt der Jahrgang zu den teuersten des 20.Jahrhunderts, aber nur die allerbesten Weine sind heute noch mit Genuss zu trinken. Ich fand alle drei probierten Tropfen so schwach, dass ich hier auch keine Notizen en Detail machen möchte.

4. Flight
Krebse im Reisblatt, getrüffelte Hühnersuppe
1949 - 1961 - 1966 - 1971 Château Cheval Blanc
Schade, dass der 66er meiner Meinung nach korkig war. Es gab jedoch auch andere Stimmen. Beim 49er waren wir uns einig: ein ganz Großer, und nur persönliche Vorlieben konnten darüber entscheiden, ob er oder doch der 61er der größere Wein war. Ich plädiere für den reiferen 49er mit seiner Pflaumen- und Lakritznote, obwohl mir der feine Fluss und die zarten Tannintöne des noch frischer wirkenden 61er schon auch sehr gut geschmeckt haben. Ein wunderbares Paar!
1971 erinnerte an Burgunder mit der feinen Eleganz von Traubenzucker. Feinfruchtig, Erdbeeren und Rosenblüten, dezent, elegant mit feinstem Schliff.

5. Flight:
Crème Saint Germain, Boudin blanc truffé
1945 – 1970 – 1975 – 1988 Petrus
Höhepunkt des Abends: 1945 und 1970 Petrus! Wer diese zwei oder auch nur einen dieser beiden Weine jemals verkosten durfte, weiß was es bedeutet, wenn man beim Wein von ohnmächtigem Genuss spricht. Die beiden versetzen einen Weintrinker immer und immer wieder in eine derartige Gefühlwelt. 1945: Kandis, Malaga, Moos, grüner Tee, Spuren von Teer. Breitgefächertes Bukett, reich, nahezu sexy! Frischer Gaumen, lebendige Säure, cremig weiche Struktur mit süßem, unendlichem Nachhall.
Der 1970 dagegen noch ein Jüngling, schön, edel geformt in weichem Tuch, aber nicht so schnell zugänglich. Frischer Eukalyptus, - und Minze Blätter. Noch Strenge zeigend, leicht verstockt mit mundtrockenem Abgang. Große Zukunft!

6. Flight:
Poularde en vessie truffée á al „Ferdinand Point“, Trüffelnudeln
1976 Morey Saint Denis, Domaine Dujac
Trotz des heißen Jahrgangs ist dieser Morey noch in guter Form. Feinfruchtig, duftig, Spur Jod, rote Bete gepaart mit ausgewogener, gereifter Textur.
1969 Grands Échezeaux, Domaine G.Pollet
Ein guter Jahrgang, der mir immer wieder freudige Überraschungen liefert. Wenn auch dieser Wein etwas rustikal wirkt, mir hat er sehr gefallen. Schlussnote: Ein lecker gereifter Tropfen!
1991 Gevrey Chambertin „Clos St.Jacques”, Domaine A. Rousseau
Hier vertraue ich auf die zunehmende Reife, denn im Moment erschien mir der Wein noch sehr verschlossen. Resümeé: noch viel zu jung und in schwieriger Reifephase, aber mit großer Zukunft.
1992 Romanée Saint Vivant, Domaine de la Romanée-Conti
Auch dieser Wein war noch viel zu jung, ich hatte aber das Gefühl, dass er weniger Größe zeigen wird als der Chambertin. Momentan sperrig, rau, rauchig, wenig Charme.
7. Flight:
Brie de Meaux & LaRatte, truffe rapées
1949 Échezeaux, Domaine A. Brenot
Von unbekanntem Winzer ein kleiner, aber feiner Wein. Thymian, geröstete Kastanien. Macht bis zum letzten Tröpferl Spaß!
1989 – 1991 – 1992 – Échezeaux, Domaine E. Rouget
Ein Überraschungsei waren die drei Échezeauxs von Rouget. Alle zwar noch blutjung, bereiten aber jetzt schon Trinkgenuss. Der 1991 floss als Schmeichler par Excellence durch die Kehle und erreichte als Sieger das Ziel. Preiselbeere, Schlehe, weich und ausgewogen.

8. Flight:
Schwarzwälder Kirschtorte im Glas
Château d’Yquem wie Flight 1


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